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Schulgeschichte

Die Gründung der Fortbildungsschule 1892

100 Jahre berufsbildendes Schulwesen in Bergisch Gladbach ist Anlaß genug zu Rückschau - Bestandsaufnahme - Feiern.

Das Fortbildungsschulwesen entstand im vorigen Jahrhundert aus dem gewerblichen Sonntagsschulwesen und verstand sich zunächst als Wiederholungs- und Ergänzungsschule zur Volksschule. Die rechtliche Grundlage zur Bildung von Fortbildungsschulen war die Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes von 1869. Nach der Reichsgründung 1871 wurde die Reichsgewerbeordnung erlassen und die gesamte Verwaltungs- und Finanzstruktur reformiert. Die Regierung gewährte nun den Provinzen staatliche Zuschüsse für die Neugründung von Fortbildungsschulen und übernahm die staatliche Aufsicht.

Die Initiative zur Gründung einer Fortbildungsschule in Bergisch Gladbach im Jahr 1892 ging zunächst vom Handwerkerverein aus, der aber nach kurzer Zeit in finanzielle Schwierigkeiten geriet und die Stadt bat, die Schule auf den städtischen Etat zu übernehmen. Bürgermeister Echelmeyer erkannte die Notwendigkeit zum Erhalt der Schule, worauf die Stadtverordnetenversammlung ihre Ãœbernahme beschloß. Der Unterricht wurde in einem Lehrsaal der Heidkamper Volksschule erteilt. Der Schulbesuch war freiwillig, wenn auch eine Kann-Vorschrift in der Reichsgewerbeordnung besagt:

Durch Ortsstatut können Gesellen, Gehilfen und Lehrlinge, sofern sie das 18. Lebensjahr nicht überschritten haben, oder einzelne Klassen derselben, zum Besuch einer Fortbildungsschule des Orts, Arbeits- und Lehrherren aber zur Gewährung der für den Besuch erforderlichen Zeit verpflichtet werden.

Den Unterricht erteilten Volksschullehrer, vor allem der Hauptlehrer Phillipp Müller. Hauptlehrer Müller war ein engagierter Verfechter der Fortbildungsschule. Aus Zeitungsberichten und Akten der damaligen Zeit erfährt man, daß er sich beim Aufbau und dem Fortbestand der Fortbildungsschule große Ver Schon 1964 beabsichtigte der damalige Schulleiter, Herr Dr. Witteborg, das 100jährige Jubiläua zu feiern, weil auf privater Grundlage im Jahr 1864 durch die Initiative des Bürgermeisters Klostermann ein Fortbildungsschulverein gegründet wurde, um volksschulentlassene junge Menschen "fortzubilden", d.h., weiterhin schulisch zu betreuen und in den Fächern Deutsch, Rechnen, Geschichte, Geographie, Naturlehre und Zeichnen zu unterrichten. Dem Versuch war kein dauernder Erfolg beschieden, einer zweiten Schulgründung 1875 erging es ebenso.

Herr Dr. Witteborg hätte dieses Jubiläum gern gefeiert, doch wurde sein Antrag an den Berufsschulzweckverband im Jahr 1963 abschlägig beschieden mit der Begründung, daß eine öffentlich-rechtliche Schule nicht der legitime Nachfolger einer privaten Schule sein könne und daß die Fortbildungsschule seit 1864 nicht ununterbrochen bestanden habe.

Kopie aus "Volksblatt für Bergisch Gladbach und Umgebung, Heider Verlag 12.4.1892 Bericht über die Gründung der Fortbildungsschule, Text und Anzeige

Der Unterricht der männlichen Lehrlinge und Arbeiter

Im Frühjahr 1892 begann in einem Lehrsaal der Heidkamper Volksschule der Unterricht für Lehrlinge des Metall- und Bauhandwerks. Am Sonntagvormittag und an 2 Abenden in der Woche kamen die Schüler freiwllig in die Schule. Die Unterrichtsinhalte waren eine Ergänzung und Fortführung des Volksschulunterrichts. Das änderte sich jedoch, nachdem Handwerk und Verwaltung eine mehr berufsbezogene Unterweisung gefordert hatten. Darauf erteilten den Zeichenunterricht nicht mehr Volksschullehrer sondern ein Ingenieur und ein Architekt. Auch auf anderen Gebieten entwickelte sich die Fortbildungsschule schnell weiter. Im Gründungsjähr besuchten 37 Lehrlinge die Schule, 190 waren es schon 150. Der freiwillige Schulbesuch wurde nach einem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung 1899 zu Pflichtunterricht, der Unterrichtsbeginn war von abends 7 Uhr auf 6 Uhr vorverlegt. Eine Besonderheit war die Ausbildung der Hufschmiede. 1899 wurde durch die Stadtverordnetenversammlung die Einrichtung einer Hufbeschlaglehrschmiede beschlossen. Die Fortbildungsschule erhielt durch Verfügung der Regierung die Berechtigung, Prüfungen im Hufbeschlag abzunehmen. 1904 beschlossen die Ratsherren die dazu notwendige Prüfungsordnung. Entsprechend dem Bedarf, wurden jährlich 3-5 Hufschmiede ausgebildet.
Ab 1908 waren die Betriebe verpflichtet, auch Jungarbeiter zum Unterricht zu schicken. Diesem Beschluß der Stadt ging ein langer Schriftverkehr voraus, in dem viele Städte und Gemeinden in ganz Deutschland angeschrieben wurden, um zu erfahren, wie man dort die Beschulung der gewerblichen Arbeiter durchführe. 1909 gab der Fortbildungsschuldirektor Phillipp Müller bei der traditionellen Jahresabschlußfeier bekannt, daß der Ãœbergang von der allgemeinen zu beruflich gegliederten Schule begonnen habe. Es bestanden nun getrennte Klassen für Bau-, Metallhandwerker, für schmückende Berufe und Kaufmannslehrlinge und für Hilfsarbeiter.
Eine Verbesserung für die Schüler trat 1912 ein, als der Abendunterricht in die Arbeitszeit verlegt wurde mit Ausnahme des Zeichenunterrichts, der weiterhin am Sonntagvormittag stattfand. Durch diese entscheidende Änderung wurden die Handelsund Handwerksbetriebe stark belastet, die Schüler entlastet. Schon früher gab es eine Verfügung des Regierungspräsidenten zum Schutz der Schüler. Eine Notiz im Volksblatt für Bergisch Gladbach teilt mit:

"Gemäß Verfügung des Regierungspräsidenten in Köln vom 23.11.1904 (A 14 Nr. 607) dürfen die zu« Besuch der gewerblichen Fortbildungsschule verpflichteten Bäckerlehrlinge an den Unterrichtstagen von 12 Uhr mittags ab nicht mehr beschäftigt werden."
Die Bergisch Gladbacher Bürger wurden im "Volksblatt für Bergisch Gladbach und Umgebung" regelmäßig über die Entwicklung der neuen Fortbildungsschule informiert. Bürgermeister Echelmeyer hatte bereits 1895 eine öffentliche Abschluß- und Entlaßprüfung vor Abschluß des Schuljahres eingeführt, die mit einer Ausstelung von Schülerarbeiten verbunden war. In Zeitungsberichten ist nachzulesen, daß diese Ausstellungen auf ein reges Interesse der Bürger trafen. Wegen des beschränkten Schulraumes fanden die Ausstellungen zunächst im Saal des Gastwirts Gierath in der Wilhelmstraße (heute Hauptstraße) statt. Schülerprämien stifteten z.B. die Firmen Zanders, Poensgen und die Rheinische Wollspinnerei. Bis in die nationalsozialistische Zeit bestanden diese unter ideologischen Gesichtspunkten gestalteten "Leistungsschauen".

Neben der städtischen Fortbildungsschule existierte eine private Fortbildungsschule der Firma Zanders. Kommerzienrat Zanders hatte schon 1907 einen Antrag an die Regierung in Cöln gestellt auf Errichtung einer Schule. Dieser erste Antrag wurde abschlägig beschieden, ein weiterer Antrag 1909 genehmigt.

Der Unterricht für Mädchen

Entsprechend der damaligen Zeit wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine Fortbildung für Mädchen abgelehnt, man kann sogar sagen, an Unterricht für Mädchen nach ihrer Volksschulzeit wurde nicht einmal gedacht. In Bergisch Gladbach änderte sich diese Einstellung schon zu Beginn dieses Jahrhunderts. In den Protokollen der Fortbildungsschul-Commission ist zu lesen, daß die Mitglieder übereinstimmend der Meinung waren, daß es unbedingt notwendig sei, auch Mädchen beruflich und hauswirtschaftlich fortzubilden. Die Commission bezog die Fachzeitschrift "Centralblatt für das deutsche Fach- und Fortbildungsschulwesen" aus deren Berichten die positive Einstellung zur Beschulung von Mädchen in vielen Städten des Reiches hervorging. Bis zur Pflichtfortbildungsschule für Mädchen war es noch ein weiter Weg. Der erste Schritt erfolgte 1904 mit der Errichtung der Handelsschule für Mädchen, die mit gutem Erfolg eine Volksschule abgeschlossen hatten. Sie wurden sowohl in kaufmännischen Fächern als auch in der Hauswirtschaft unterrichtet. 1908 wurden erstmals für Arbeiterinnen Kochkurse angeboten, die abends zwischen 5 1/2 und 8 Uhr stattfanden in Küchen in Paffrath und Wiese (in Heidkamp). Die Mädchen meldeten sich freiwillig, die Kosten trug zur Hälfte die Stadt, zur Hälfte die Firma Zanders und Poensgen. Diese Halbjahres-Kochkurse endeten mit einer Kochprüfung. 1910 berichtet die Tageszeitung über eine solche Kochprüfung, zu der Bürgermeister Schröter die Fabrikanten mit ihren Frauen einlud, Vorstände der Frauenvereine, den Landrat und Vertreter der Kirchen.

Das Prüfungsessen scheint ein gesellschaftliches Ereignis gewesen zu sein. Es wird berichtet, daß der sehr engagierte Direktor Müller zum Abschluß Dankesworte an den Komnerzienrat Zanders richtete wegen des Näh- und Krankenpflegeunterrichts für die Arbeiterinnen. In Schlußwort äußerte er die Hoffnung auf die Einführung einer Hauswirtschaftliehen Fortbildungsschule. 1913 wurde diese Hoffnung mit den Beschluß der Schul-Conmission erfüllt, allen Mädchen wöchentlich 4 Stunden Haushaltungsunterricht zu erteilen. Direktor Müller hatte in den Sitzungen 9 Stunden gefordert. Den vorangegangenen Diskussionen der Schul-Commission in Jahr 1912 lagen Gutachten des Landesvereins der Preußischen Volksschullehrerinnen, Berlin, zu Grunde, die sich ausführlich mit der Pflichtfortbildungsschule für Mädchen befaßten. Den Ausschlag für den Beschluß 1913 gab eine Verfügung des RP Cöln von 25.4.1912, in der es heißt "Ich ersuche die Ausdehnung der Schulpflicht, sofern eine obligatorische Fortbildungsschule besteht, auf weibliche Handlungsgehilfinnen und auf die anderen der Gewerbeordnung unterstehenden weiblichen Arbeiter anzustreben. Insebsondere ist aber die ... die Schulpflicht auf die ungelernten Arbeiter auszudehnen. Bei der Gestaltung des Lehrplans für die weiblichen Schüler ist namentlichder hauswirtschaftliche Unterricht in gebührender Weise zu berücksichtigen".

Vom Volksschullehrer zum Berufsschullehrer

Da die Fortbildungsschule als eine Fortsetzung der Volksschule gedacht war, waren ihre Lehrer auch Volksschullehrer, die den Unterricht im Nebenamt erteilten oder zu diesem abgeordnet wurden. Durch einen Erlaß von 1898 bestand die Möglichkeit, Elementarlehrer zum Unterricht an Fortbildungsschulen zu verpflichten.

In Bergisch Gladbach hatte der Hauptlehrer Phillipp Müller die ersten Klassen der Fortbildungsschule in seinem Schulgebäude in Heidkamp aufgenommen und erteilte auch den Unterricht in den Fächern Deutsch, Schreiben und Physik, Hauptlehrer Breuer übernahn die Fächer Rechnen, Geographie und Geschichte, Zeichnen unterrichtete der Fabrikbesitzer Schultze; für den freiwilligen Unterricht in Religion waren die Pfarrer beider Konfessionen zuständig. Mit Beginn dieses Jahrhunderts verstärkten sich die Bestrebungen zu einer inneren Reform der Fortbildungsschule. Keine Fortsetzung des Volksschulunterrichts war gefragt, sondern berufliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte sollten im Unterricht der Fortbildungsschule stärkere Berücksichtigung finden. Dafür mußten die Lehrer fortgebildet werden. 1902 wurde Hauptlehrer Müller durch das Ministerium für Handel und Gewerbe zu einem Oberkurs für Lehrer an kaufmännischen Fortbildungsschulen nach Berlin einberufen. Die Schulkommission, zuständig für alle Personalangelegenheiten, beriet unter dem Vorsitz von Bürgermeister Schröter, wie der ausfallende Unterricht zu vertreten sei und erwog sogar, die Herbstferien zu verlegen. Dieser Vorschlag rief aber den Protest des Herrn Müller hervor. Schließlich fand man eine andere Lösung, ein pensionierter Lehrer übernahm die Stunden.
Aus dieser Episode kann man entnehmen, wie ernst die Schulcommission ihre Verantwortung für den Unterricht genommen hat.
Wegen der positiven Entwicklung der Fortbildungsschule wurde sie von der Volksschule gelöst und zu einer selbstständigen Schulform. Im Februar 1904 richtete Bürgermeister Schröter folgendes Schreiben an den Regierungspräsidenten in Cöln: "Der unterzeichnete Bürgermeister von Bergisch Gladbach beruft vorbehaltlich der Bestätigung des Ministers für Handel und Gewerbe durch gegenwärtige Urkunde den Herrn Hauptlehrer Müller zu Heidkamp zun Direktor der städtischen Fortbildungsschulen zu Bergisch Gladbach ..." 

Schon in Mai 1904 erhielt der Bürgermeister folgende Antwort: "... Gegen die hauptamtliche Beschäftigung des Lehrers Müller als Leiter der Anstalt und die Heranziehung der übrigen Lehrkräfte zur Erteilung des Unterrichts habe ich nichts einzuwenden. Ich finde nichts dagegen zu erinnern, dass in der vom Bürgermeister ausgestellten Berufungsurkunde des Müller die Bezeichnung "Direktor" angewandt ist."

Bei der damaligen Situation im Fortbildungsschulwesen ist diese Beförderung zum Direktor ein beinahe einmaliges Ereignis in der Rheinprovinz. Direktor Müller war bis 1927 in seinem Amt.

Wie Phillipp Müller mußten sich auch die anderen Lehrer fortbilden, um sich für den berufsbezogenen Unterricht zu qualifizieren. Die späteren Direktoren der Fortbildungsschule, der heutigen Berufsschule, Wilhelm Walterscheid und August Kierspel kamen ebenfalls aus dem Volksschullehrerstand und erreichten durch weitere Studien den Aufstieg zum Fortbildungsschullehrer und zum Schulleiter. Seit den 20er Jahren werden die Berufsschullehrer in eigenen Studiengängen ausgebildet. Seit dieser Zeit ist aus der Fortbildungsschule die Berufsschule geworden.

 

Trägerschaft - Finanzierung - Gebäude

 

Bildungsaufgaben sind heute Länderangelegenheiten, bis Ende der 50er Jahre waren
sie primär Aufgaben der Kommunen. Daß Bergisch Gladbach sich schon Ende des
19. Jahrhunderts entschloß, auf freiwilliger Basis eine Fortbildungsschule
einzurichten, zeugt von einer großen Aufgeschlossenheit der Stadtväter und der Bürgermeister der berufstätigen Jugend gegenüber, einer Aufgeschlossenheit, die
bis in die heutige Zeit Tradition hat.

Nach dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung 1893, die Fortbildungsschule auf den städtischen Etat zu übernehmen, wurde die Fortbildungsschul-Kommission
gegründet, deren Aufgabe es war, innerschulische Angelegenheiten personellen und sachlichen Inhalts zu beraten, Ortsstatuten und Schulordnungen zu verfassen.
Den Vorsitz hatte der Bürgermeister der Stadt, sein Vertreter war der 1. Beigeordnete, die gewählten Mitglieder kamen aus Handwerk, Industrie und Kirche.
Die finanzielle Belastung der Stadt war groß, denn sie mußte für Räume und Ausstattung der Fortbildungsschule sorgen und die Lehrergehälter bezahlen. Die Einnahmen setzten sich zusammen aus Schulgeldern, Kreis- und Regierungszuschüssen. Schon 1892 mußte jeder Schüler 3 Mark für die Jahresstunde zahlen. Nach Einführung der Pflichtfortbildungsschule hatten die Lehrherren das Schulgeld zu tragen, das sogar per Gerichtsbeschluß eingetrieben werden konnte.

Im Etatabschluß von 1921 ist für Schulversäumnisse ein Betrag von 134 Mark angegeben. Die Höhe des Schulgeldes wurde immer wieder neu festgesetzt durch Beschluß der Schul-Kommission. Die Handelsschule und die später gegründeten Hauhaltungsschulen, Kinderpflegerinnen- und Frauenfachschulen verlangten bis in die 50er Jahre ein monatliches Schulgeld zwischen 10,-- und 17,— DM. Heute können Schüler der berufsbildenden Schulen in Nordrhein-Westfalen BAFÖG erhalten, haben Anrecht auf Erstattung der Fahrtkosten und auf einen Zuschuß zu den Schulbüchern. Die Höhe der Lehrergehälter beschloß die Stadtverordnetenversammlung und ließ sich auch nicht vom Ministerium für Handel und Gewerbe in Berlin in ihren Entscheidungen beeinflussen. Das Ministerium schlug 1912 eine Erhöhung der Fortbildungsschulgehälter vor. Die Fortbildungsschul-Commission nahm dazu im Oktober 1912 nach eingehender Beratung mit folgenden Worten Stellung:
"Mit Rücksicht darauf, daß die Handelsschule für Mädchen keinen Staatszuschuß erhält, erklärt die Commission, daß für Bergisch Gladbach eine Änderung der Gehaltsverhältnisse nicht in Frage kommt ..."
Die von 1910 durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossene Besoldungsordnung für Lehrer enthält einen für unsere Zeit unverständlichen Paragraphen:
"Die Verheiratung einer Lehrerin hat die Aufhebung ihrer Anstellung sowie den Verlust des Anspruchs auf Ruhegehalt zur Folge."
Der Entschluß, Lehrerin zu werden, bedeutete damals für Frauen den Verzicht auf Ehe und Familie.
Bis zum Jahr 1936 war die Stadt Bergisch Gladbach Träger der Berufsschule. 1936 übernahm der neu gegründete Zweckverband diese Trägerschaft. In der Satzung für den Berufsschulzweckverband der Stadt Bergisch Gladbach und der Gemeinden Bensberg, Rösrath, Overath, Odenthal steht in § 2:
"Der Berufsschulzweckverband will an Stelle der bisherigen in den Gemeinden Bergisch Gladbach und Bensberg bestehenden Berufsschulen nur eine über das ganze Gebiet des Verbandes sich erstreckende Berufsschule schaffen ..."
Nach der Kommunalreform ist die Gemeinde Kürten dem Berufsschulverband beigetreten.
Erst 1959 wurden die Lehrer Landesbeamte nach dem SchulVerwaltungsgesetz von Nordrhein-Westfalen vom 3.6.1958. Die Etats der Kommunen wurden dadurch entlastet.
Die Geschichte der Bergisch Gladbacher Berufsschule ist begleitet von ständigen Raumproblemen. Die Heidkamper Volksschule war der erste Schulstandort, dazu kamen die Kochschulen in Paffrath und und in Wiese (in Heidkamp gelegen). Mit steigender Schülerzahl wurden weitere Räume in Volksschulen angemietet. Der Höhepunkt der Raumprobleme entstand während des 2. Weltkriegs und während der Nachkriegszeit. 1935 befand sich das Hauptgebäude der Berufsschule in der Wilhelmstraße, der heutigen Hauptstraße, das durch den Bau der Volksschule Buchmühle frei geworden war. Es existiert heute nicht mehr, weil es dem Bau des Kaufhauses Hertie weichen mußte. Die Schülerzahl wuchs und wuchs. Das führte dazu, daß in den 40er und den ersten 50er Jahren 16 bis 18 Schulstellen entstanden i n Bensberg,Inmekeppel,Vilkerath,Overath,Untereschbach,Odenthal,Paffrath,Hebborn und in mehreren Schulen in Bergisch Gladbach. Die Belastung des Kollegiums durch diese Bedingungen ist heute schwer vorstellbar. Die Zeitungen von damals sind voll von Berichten über unhaltbare Zustände. Es fehlte an Lehrmittelräumen, an Werkstätten, an Ausstattung. Im April 1950 ist in der Bergischen Landeszeitung unter der Ãœberschrift "Kreishandwerkerschaft verlangt Einlösung gegebener Versprechen" ein Ausspruch des Kreishandwerksmeister Vierkotten zu lesen:
"Sollte trotz der vielen Versprechungen im Laufe dieses Jahres keine Änderung eintreten, so behält die Kreishandwerkerschaft sich das Recht vor, gemeinsam mit dem Einzelhandel zum Schulstreik aufzurufen."
Das Hauptgebäude war nach dem Krieg in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Dieser führte im April 1950 in der Bergischen Landeszeitung zu der Balkenüberschrift "Berufsschulnot in Bergisch Gladbach - drastisch demonstriert"
Was war geschehen? Ein Schüler war beim Betreten des Dachbodens, wo sich Lehrmittel befanden, mit dem Fuß durchgebrochen. Zum Schrecken der im darunterliegenden Klassenzimmer lernenden Schülerinnen regnete es Schutt und Mörtel - ein Bein erschien.
1951 berichtet die Bergische Rundschau unter der Oberschrift "Heikle Situation an der Berufsschule" darüber, daß sich nach dem Abriß des Toilettenhäuschens in Schulhof eine prekäre Lage ergeben habe - wie allgemein verständlich. Und wie wurde das Problen gelöst? Alle Lehrer und Schüler erhielten Wertnarken für die öffentliche Bedürfnisanstalt in der Paffrather Straße. Wie sich dieser Pendelverkehr ausgewirkt haben mag, das ist leicht vorstellbar! Für das Kollegium und den Schulleiter Dr. Witteborg war diese Situation sicher nicht zum Lachen. Dr. Witteborg ließ keine Gelegenheit aus, die Öffentlichkeit von der dringenden Notwendigkeit eines Neubaus der Berufsschule zu überzeugen. Als Standort waren Grundstücke im Milchborntal und am Refrather Weg im Gespräch. Oberkreisdirektor Hagemann hoffte nach Umwandlung des Besatzungsstatus 1951, daß das Bensberger Schloß die Schule aufnehmen könne. In März 1952 gab Stadtdirektor Kentenich bekannt, daß durch Zuschüsse des Landes ein Grundstück an der Bensberger Straße gekauft werden könne. Nachdem der Architekt Josef Kierspel den Ideenwettbewerb der Stadt gewonnen hatte, wurde im September 1952 mit dem Bau der Schule begonnen. Bereits 1954 konnte der erste Bauabschnitt bezogen werden, 1957 der zweite.

Nach dem Anbau der Turnhalle und der Werkstätten war die Schule 1962 voll ausgebaut bis auf die Pausenhalle. Doch die Schülerzahlen wuchsen bis zu 3000 Schülern - neue Raumnot entstand. Ende der 60er Jahre wurden deshalb im Schulhof Unterrichtsräume in Fertigbauweise geschaffen und einige Klassen in den Volksschulen Paffrath und Katterbach untergebracht. Nach dem Umzug der Heidkamper Volksschule in den Neubau an der Bonnschlade belegte die Berufsschule die freigewordenen Räume - eine Rückkehr zu den Ursprüngen! Die seit 1968 selbständige kaufmännische Berufsschule erhielt ein neues Gebäude auf dem Gelände des Heidkamper Schulgartens. Dadurch entstand an der Bensberger Straße ein Berufsschulzentrum; die Außenstellen konnten aufgegeben werden.